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Den Jazz zur Kunstform erhoben

Posted by admin on 19th July 2010 in Uncategorized

Ich hatte übrigens das große Vergnügen, Louis Armstrong persönlich – wenn auch nur über ein paar Minuten – kennenzulernen. Im Jahre 1955 trat er mit seinen All Stars in meiner Heimatstadt Regensburg, und zwar im Gebäude der Regensburger Turnerschaft, auf. Ich war damals 10 Jahre alt und dort Mitglied in einer Turnierriege. Deshalb kannte ich alle Schlupfwinkel und auch einen “geheimen” Schleichweg zur Bühne, wohin ich mich mit einem Schulkameraden schlich. Hinter der Bühne angekommen, ertappte uns ein Baum langer “African American“. Da ich von 1949 bis 1951 in einem amerikanischen Kindergarten gewesen war und Amerikanisch noch recht gut beherrschte, sprach ich den riesigen Menschen in seiner Muttersprache an und bat ihn, uns zu seinem Meister vor zulassen. Der Mann fletschte grinsend die Zähne, rief ein paar mal nach Louis Armstrong, und da kam dieser auch schon um die Ecke. Armstrong war zu uns beiden Bubis exakt so freundlich, wie man ihn sich immer vorstellte, und erlaubte uns, die gesamte Vorstellung über hinter einem schwarzen Vorhang auf der Bühne auf eigens herbeigeschafften Stühlen zu verfolgen. Auf meine diesbezügliche Bitte hin gab mir Louis Armstrong noch vor seinem Auftritt ein Autogramm, wobei er seinen Vor- und Nachnamen mit einem Kugelschreiber über die größere der beiden Diagonalen eines A4-Blatts (Hier klicken) schrieb. Leider habe ich dieses Autogramm viele Jahre später für einen horrenden Preis an einen Sammler verkauft. Ich habe vor allem in meinen frühen Jahren oft Musik von Louis Armstrong gehört. Insbesondere die Musiker aus seiner Zeit der “Hot Five” und “Hot Seven” mochte ich vor Jahrzehnten sehr. Allerdings bin ich ab 1948 mit Bebop von Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Kollegen aus dem Volksempfänger meiner Eltern aufgewachsen, und orientierte mich um die Mitte der 50er Jahre auf Jazz um, den ich gelegentlich noch heute gern höre: Musik von wirklichen Innovatoren wie Ornette Coleman, John Coltrane, Thelonius Monk, Charlie Mingus und eigentlich gar nichts von Miles Davis, den ich im Gegensatz zu mindestens 99,999 % der Jazz hörenden Menschheit für einen dilettantischen Scharlatan halte.